Werner Dive ist eine prägende Figur der deutschen Mallorca-Geschichte. Sein Name ist untrennbar mit dem Ballermann verbunden, dem berühmten Strandabschnitt an der Playa de Palma, der heute weltweit für Partys, Musik und ausgelassene Feiern bekannt ist. Dive, 77 Jahre alt und ursprünglich aus Köln, beschreibt seine Rolle bei der Entstehung des Ballermanns nüchtern und zurückhaltend. In Interviews im Bäckerei-Café an der Bonner Straße schilderte er op Kölsch, wie er und seine Vereinskameraden den Grundstein für das legendenhafte deutsche Mallorca-Urlaubserlebnis gelegt haben.
Vom FC Merowinger nach Mallorca
Vor 1972 waren die Vereinsfahrten des FC Merowinger überwiegend Ausflüge an die Mosel oder den Rhein. Der Verein, benannt nach der damaligen Kneipe „Merowinger Eck“, vereinte Fußballer und Kegler, darunter auch bekannte Sportler wie der verstorbene Torhüter Wolfgang Fahrian. Diese Fahrten waren sozial und sportlich geprägt, aber mit der Zeit wurden die Kosten für die Ausflüge immer höher. Werner Dive, der die Fahrten organisierte, entdeckte im Neckermann-Katalog eine Reise, die für vier Übernachtungen im Hotel „Dunas Blancas“ inklusive Flug 399 Mark kostete. Das erschien erschwinglich, und die Gruppe beschloss, die Reise nach Mallorca zu unternehmen.
Mit Gulaschsuppe und reichlich Kölsch im Handgepäck begann eine Vereinsfahrt, die den Strandabschnitt in El Arenal nachhaltig veränderte. Die Mitglieder des FC Merowinger hatten den Anspruch, den Karneval und die kölsche Feierkultur auf die Insel zu bringen. Das bedeutete, dass die Teilnehmer nicht nur tranken und feierten, sondern auch die lokalen Bars, Restaurants und Hotels mit humorvollen Aktionen wie Verkleidungen in den Kellnern einbezogen.
Die Entstehung des Begriffs „Ballermann“
Der Name Ballermann entwickelte sich aus dem spanischen Wort „Balneario“, das die nummerierten Strandabschnitte an der Playa de Palma bezeichnete. Für die Kölner jedoch war „Balneario“ schwer auszusprechen. Nach einigen humorvollen Versuchen entstand die kölsche Variante „Ballermann“. Werner Dive beschreibt diesen Moment als spontanen Ausdruck der ausgelassenen Stimmung: „Mer han uns so su jähn eine jeballert.
Mit den Jahren wurden die Vereinsfahrten professioneller. Jedes Mitglied brachte ein 20-Liter-Fass Kölsch im Handgepäck mit. Die Partys am Strand und in den Hotels wurden größer, und immer mehr Touristen beteiligten sich an den Festen. Werner Dive organisierte zudem Frühschoppen und andere Veranstaltungen im Hotel, zu denen bis zu 500 Gäste kamen. Während der „kölschen Woche“ traten sogar Künstler wie Marita Köllner auf. Diese Events trugen entscheidend dazu bei, dass sich der Ballermann zu einem zentralen Ort für deutsche Urlauber entwickelte.
Werner Dive als Gastgeber und Organisator
Neben seiner Rolle bei der Namensgebung des Ballermanns war Werner Dive selbst Gastgeber und Impulsgeber. Er betrieb früher die Südstadtkneipe „Maischbottich“ und brachte seine Erfahrung in die Organisation von Veranstaltungen ein. Sein Ansatz war stets von Gemeinschaft, Humor und karnevalistischer Stimmung geprägt. Durch diese Aktivitäten prägte er nicht nur die deutsche Gruppenreise-Kultur auf Mallorca, sondern beeinflusste auch die Art und Weise, wie deutsche Touristen den Ballermann erlebten.
Dive erinnert sich an viele kleine Anekdoten, die zeigen, wie der Ballermann zu einem Ort der Lebensfreude wurde. Zum Beispiel musste der Kapitän eines Ausflugsboots lernen, dass die Kölner ausreichend Getränke mitführten. Nach nur 15 Minuten auf See war alles getrunken, und das Boot kehrte zurück in den Hafen. Solche Geschichten verdeutlichen, wie eng der Spaß am Trinken und Feiern mit der Organisation und der Freundschaft innerhalb der Gruppe verbunden war.
Vom Verein zum Mythos
Was ursprünglich als einfache Vereinsfahrt begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem Symbol für deutsche Urlaubskultur auf Mallorca. Werner Dive und seine Mitreisenden brachten ihre eigene Mischung aus Geselligkeit, Humor und Karnevalsstimmung auf die Insel. Diese Atmosphäre war laut Dive entscheidend: offen, laut, gemeinschaftlich und geprägt von Freundschaft. Sie machte den Ballermann zu einem Ort, der mehr als nur ein Strandabschnitt ist – er wurde ein Symbol für deutsche Gruppenreisen, Musik, Partys und ausgelassene Abende an der Playa de Palma.
Trotz des zweifelhaften Rufs, den der Ballermann heute in manchen Medien hat, betont Werner Dive, dass es sich um einen Ort der Lebensfreude handelt. Filme wie „Ballermann 6“ mit Tom Gerhardt hätten seiner Meinung nach viel kaputt gemacht, doch die Realität sei einfacher: Ein Strandabschnitt, an dem Menschen feiern, singen und tanzen. Dive weist darauf hin, dass die negative Darstellung oft von denen stammt, die den Ballermann nicht kennen oder sich nicht dort aufhalten: „Die Lück, die darüber schänge, solle ze Huss blieve. Dat es en schön Insel!“
Werner Dive und die kulturelle Bedeutung
Die Rolle von Werner Dive zeigt, dass hinter dem Begriff Ballermann echte Menschen, Vereinsleben und eine Geschichte stehen. Er verbindet Köln mit der Playa de Palma auf eine besondere Weise und zeigt, wie ein einfacher Urlaubsausflug zur Namensgebung eines weltbekannten Strandabschnitts führen kann. Dive ist ein Symbol für die frühe Ballermann-Zeit und verdeutlicht, dass Partykultur und deutsche Reisetradition eng miteinander verwoben sind.
Durch seine Initiativen, Organisation und die kölsche Art des Feierns prägte er die Kultur, die heute mit dem Ballermann assoziiert wird. Der FC Merowinger spielte dabei eine entscheidende Rolle: Der Verein brachte Fußball, Karneval, Kegeln, Humor und Geselligkeit auf die Insel und legte damit den Grundstein für die heutige Feierkultur.
Fazit
Werner Dive ist nicht nur ein Name, sondern ein Stück deutscher Mallorca-Geschichte. Seine Beiträge zum Ballermann zeigen, wie aus einer einfachen Vereinsfahrt eine kulturelle Bewegung entstehen konnte, die bis heute Touristen aus ganz Deutschland und darüber hinaus anzieht. Dive bleibt eine prägende Figur, weil er demonstriert, dass hinter Partykultur und Tourismus auch Menschen, Freundschaften und Ideen stehen. Der Ballermann ist somit nicht nur ein Ort für Feiern, sondern ein Symbol für Gemeinschaft, Tradition und deutsche Urlaubsfreude. Werner Dive zeigt, dass Kultur und Freizeitvergnügen eng miteinander verbunden sein können, und dass die Entstehung eines Mythos oft mit kleinen, menschlichen Geschichten beginnt.